Aktuelles

Aktuelles auf einen Blick

Groafschupper Plattproater Kring veröffentlicht Wörterbuch

Schon bald nach Herausgabe des Wörterbuches Hochdeutsch – Plattdeutsch regte sich bei vielen an der plattdeutschen Sprache interessierten Grafschaftern der Wunsch nach einem Gegenstück – einem Wörterbuch Plattdeutsch – Hochdeutsch. Dieser Wunsch wurde vom  „Arbeitskreis  Plattdeutsch“  beim Landkreis Grafschaft Bentheim aufgegriffen und der Beschluss gefasst, eine Arbeitsgruppe zu bilden,  die dieses Projekt umsetzt. Im Gegensatz zu dem schon bestehenden Buch, das eher den Charakter eines Lehrbuches besitzt, sollte dieses ein Nachschlagewerk für all diejenigen werden, die sich mit der plattdeutschen Sprache beschäftigen und die hochdeutsche Übersetzung für plattdeutsche Wörter und Ausdrücke suchen.

Im März 2013 nahm hierzu ein sechsköpfiges Team aus dem Arbeitskreis und dem Plattproater Kring, bestehend aus den Mitgliedern Karl-Heinz Elskamp aus Schüttorf, Steven Lambers aus Laar, Gertrud Rötterink aus Emlichheim, Harm Hindrik Schoo aus Nordhorn, Gertrud Stegemerten aus Gildehaus  und Bernd Vette aus Neuenhaus seine Arbeit auf. Bei der Auswahl der Mitwirkenden wurde darauf geachtet, dass möglichst alle in der Grafschaft bestehenden Sprachbereiche vertreten sind. In über 40 Sitzungen hat die Arbeitsgruppe etwa 4300 plattdeutsche Wörter zusammengetragen und daraus ein Buch mit 156 Seiten erstellt.

Zunächst wurden die plattdeutschen Wörter des schon vorhandenen Wörterbuches vollständig übernommen, dann aber durch viele weitere plattdeutsche Wörter, die die Autoren in jahrelanger Kleinarbeit zusammentrugen, ergänzt.  Die Wörter sind zum Teil aus bekannter Heimatliteratur entnommen, entstammen aber auch dem täglichen Sprachgebrauch der Autoren. Die MitarbeiterInnen haben sich bemüht, eine möglichst umfassende Wörterliste zu erstellen. Es ist ihnen aber klar geworden, dass auch nach über fünfjähriger Recherche kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht. Das Team hat sich entschieden, auch Wörter, die heute kaum noch gebraucht werden, in das Wörterbuch aufzunehmen, damit sie nicht verloren gehen.

Bei den monatlichen Sitzungen zeigte sich sehr bald, dass es zum Teil unterschiedliche plattdeutsche Ausdrücke mit gleicher Bedeutung in der Grafschaft gibt. Es fielen häufig Unterschiede zwischen dem Sprachgebrauch in der Obergrafschaft zu dem in der Niedergrafschaft auf. Dabei ist zum Teil die Aussprache anders oder es wird ein anderes Wort für den gleichen Sachverhalt gebraucht. Wenn sich Wörter eindeutig einer Sprachregion zuordnen ließen, sind sie durch einen entsprechenden Hinweis zusätzlich gekennzeichnet. (z. B. Schü = Schüttorf). Teilweise finden sich im Wörterbuch auch kurze plattdeutsche Redewendungen, die im deutschen Sprachgebrauch durch ein Wort auszudrücken sind. (Bsp.: in’ne  Huke goan = hocken; sick wat an’n Kopp smieten = sich beschimpfen). Außerdem erhalten manche plattdeutsche Wörter eine andere Bedeutung, je nachdem, ob sie auf der ersten oder zweiten Silbe betont werden.

Bei der Schreibweise der Wörter haben die Mitwirkenden sich an die im Grafschafter Wörterbuch Hochdeutsch – Plattdeutsch vorgegebenen Regeln gehalten. Es gab aber auch immer wieder Beispiele, bei denen über die Schreibung der Wörter diskutiert wurde. Auf jeden Fall haben die Autoren die Besonderheiten der Aussprache von Wörtern in Ober- und Niedergrafschaft versucht gerecht zu werden. Um das Lesen der deutschen Worterklärungen zu vereinfachen, sind die Artikel weggelassen worden. Plattdeutsche Wörter, die am Anfang häufig mit sl, sw, sn  geschrieben werden, sind in diesem Buch zusätzlich auch mit der Schreibweise schl, schw, schn  aufgenommen und alphabetisch einsortiert worden, damit sie für die Benutzer auf jeden Fall zu finden sind. Beispiel: sloapen und schloapen, swatt und schwatt.

Zum besseren Verständnis der plattdeutschen Ausdrücke wurde dem Wörterbuch eine umfangreiche Liste konjugierter Verben hinzugefügt. Einige tauchen in der Tabelle sogar in unterschiedlicher Sprech- und Schreibweise auf.  

Der Vorsitzender des Groafschupper Plattproater Krings, Albert Rötterink, wünscht sich nun, dass auch dieses Wörterbuch von vielen Personen benutzt wird und dazu beitragen kann, dass die plattdeutsche Sprache und besonders unser Grafschafter Platt an unsere Kinder und Nachkommen weitergegeben wird, damit die Sprache weiterlebt. 

Interessierte können nun das neue Wörterbuch ab sofort sowohl im Grafschafter Buchhandel als auch beim „Groafschupper Plattproater Kring“  zum Preis von 12 Euro erwerben. Zusätzlich stellt der Plattproater Kring die Publikation auf Anfrage wiederum Kindertageseinrichtung und Grundschulen kostenlos zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass in diesen Einrichtungen auch Plattdeutsch angeboten und geübt wird bzw. werden soll.